Toern Kanaren 2011 Teil 1

Tag 3: Auch ein Ruhetag ist ein erfolgreicher Tag

Um endlich mal Souvenirs und Postkarten für die lieben Daheimgebliebenen bunkern zu können, haben wir beschlossen, heute einen Ruhetag einzulegen (Okay, vergesst die Postkarten. Der wahre Grund ist das fortgeschrittene Durchschnittsalter der Crew, das zu regelmässiger Ruhe verpflichtet.) Deshalb hat der Tag mit Ausschlafen begonnen. Die Early Birds haben es dann geschafft, sich immerhin zum Kaffee aus den Betten zu rollen, welcher in rauhen Mengen konsumiert wurde, um die Sitzdauer im Café mit gratis-Internet auf die für Blogs nützliche Länge auszudehnen. Koffein reizt bekanntlich den Magen, weshalb dieser grosszügig mit Club Sandwiches beruhigt wurde. Einer blieb unter Deck und schlief noch ein bisschen… bis das Schiff wieder aufgetankt werden muste und beim Manövrieren mit einer Betätigung des Bugstrahlruders „rrrroohhhhaaarr“ + Dezibel 120… dieser kerzengrade im Schiff stand.. fertig schlafen. Nach einem ausgedehnten Frühstück / Mittagessen / Nachmittagskaffee wurde entschieden, dass heute die Navigation definitiv nur an Land stattfinden soll. Der drückebergerische Teil der Crew hat sich dann sehr engagiert zum am-Strand-Liegen abgemeldet, wo durch kühles Wasser und umfangreiche Rentnerinnen die aufgeheizten Gemüter rapide wieder abgekühlt wurden. Der aktivere Teil der Crew hat sich einen Supermarkt gesucht, wo sie das lokale Personal dazu überreden konnten, den ganzen Einkauf mit dem Lieferwagen bis vors Boot zu bringen. Dann wurde festgestellt, dass die freie Marktwirtschaft noch nicht in Spanien angekommen ist, da der Erwerb eines Internet-Sticks beim Monopolisten viel Zeit benötigte. Serge und Sandro haben dann aus Adrenalinmangel mit dem Dinghi eine Expedition in eine Felshöhle vor dem Hafen unternommen, während der Rest Fotos von der lokalen Architektur schoss und Souvenirs suchte. Da Sandro immer noch gelangweilt war, hat er sich dann zusammen mit Laurent daran gemacht, das soeben Eingekaufte möglichst frischegerecht zu verarbeiten, was uns dann ein ausgezeichnetes Weissweinrisotto mit 2 Saucen beschert hat (Einmal Meeresfrüchte, und für die, die bereits genug vom Meer hatten, Tomatensauce mit Maika Würstchen). Zitat: „Brauchst doch kein Gesicht!“ (Ganz sicher anonym) Doch wir habens glatt kah hütt aber jetzt isch fertig und wir müssen ja morgen auch schon wieder um 6 Uhr auf.. Tagwacht mit ACDC Highway to hell.. hoffentlich nicht denn wir wollen das gute essen ja für uns behalten und nicht wieder den Fischen servieren.. full Power ACDC zum aufstehen für den ganzen Hafen welcher sich mit standing Ovations bedankt wenn wir abfahren.. so geht dass.. denn Maika macht das Würstchen und wir machen den Segeltoern

Tag 2: Tag der subjektiven Superlativen

Die senile Bettflucht hat sich wider erwarten auch heute wiederholt. Um 6Uhr morgens lief bereits AC/DC auf der Board Hifi. Schlafen wurde dadurch zum Ding der Unmöglichkeit und somit von jedermann (alle unter 40) aufgegeben.

Heute gings von La Gomera bis nach Gran Canaria, ein ziemlich ausgedehnter Schlag mit viel bis gar keinem Wind. Nicht jeder konnte die Fahrt geniessen, das Verhältnis der Seekranken zu den Nicht-Seekranken hat sich heute zu Gunsten der Seekranken bewegt. Automatisch wurde es ein wenig ruhiger auf dem Boot, da die Mehrheit sich mit dem Nichtkotzen oder eben dem Kotzen beschäftigt hat. Mit einem Durchschnittt von ca. 30 Knoten (Beaufort 7), waren wir sehr flott unterwegs. Die Wellen haben dann ihren Teil zur allgemeinen Nässe beigetragen, die in mehr oder weniger regelmässigen Abständen auf uns ergossen wurden. Als Pökelfleisch sind wir dann im Hafen angekommen und zur „Freude“ der Hafenmeisterin haben wir uns vorgängig NICHT angemeldet.

Die Spitzenwinde von 42 Knoten (das sind 77 km/h oder Beaufort 9) konnte auch Hangi unser erfahrender Skipper nicht mehr bändigen. Selbstverständlich hat er die Schuld, wie es zu erwarten war, auf das Boot geschoben. Ebenfalls selbstverständlich wusste jeder, dass das natürlich nicht stimmt.

Details zum Tripp: Während 10h48min von La Gomera (Marina Cristobal) nach Gran Canaria (Puerto de Mogan). 143km, Höchstgeschwindigkeit 11.7 kn, Durschnitt 7,2kn, 1358 Höhenmeter.

Fazit: Nagelstudio noch nicht im Betrieb, jedoch ist das Konzept schon sehr fortgeschritten.

Tag 1a: Segelstoff ist auch nicht mehr was er mal war.

Nach einer lustigen Nacht sind wir morgens bereits wieder um 5Uhr(!) aufgestanden. Angeblich war es ja 6Uhr, dank iFön, die ohne Data Roaming die Zeitzonen nicht anpassen, wurde das jedoch nicht bemerkt. Bei der jungen Garde gilt die vorherrschende Meinung, dass es sich nur um senile Bettflucht der „alten“ Garde gehandelt hat und das iPhone als Vorwand missbraucht wurde.

However, um 8 Uhr, nachdem die Sonne aufgegangen war sind wir mit viel Elan und vollgepumpt mit Stugeron, losgesegelt. 15kn Wind….20kn…..25kn…..30kn……Räääätsch!!!! Genoa irreparabel zerrissen, also Wenden und wieder zurück in den Hafen.

Details des Kurztripps: 16km, 2h, 140 Höhenmeter(!)

Sobald die neue Genoa montiert ist, gehts wieder los Richtung La Gomera.

Tag 1b: Einmal ist keinmal

Trotz spanischen Hangs zur Siesta konnte uns der Hafentechniker innert einer Stunde (und das an einem Sonntag) ein anderes Genuasegel besorgen. Von einem kleineren Boot kommend, war das Ding zu kurz geraten, weswegen dieser Techniker sein Improvisationstalent unter Beweis stellen musste („I’ve never tried this, but I think it should work, probably“). Nach einem opulenten Mittagessen hat der zweite Schlag von heute dann beweisen können, dass der Techniker sein Handwerk versteht. Da uns nur der Nachmittag blieb, haben wir uns für westwärts (La Gomera) statt ostwärts (Gran Canaria) entschieden. Die erste Hälfte nach der Abfahrt hatten wir zwar nicht wirklich Wind, dafür eine akustische Zusammenfassung der Street Parade 1997, viel Geduld, und als die Geduld fertig war, einen Motor. Nachdem wir jedoch den Windschatten von Teneriffa verlassen hatten, ging es zur Sache. Wir segelten während dem Rest der Zeit mehr oder weniger Zwischenfallsfrei westwärts von Teneriffa nach Gomera – die wenigen Zwischenfälle haben hauptsächlich mit nicht wirksamen Hebeln und nicht wirksamen Seekrankheits-Medis zu tun. Während dieser 3 Stunden haben uns die Kräfte, die auf ein solches Schiff und uns selbst einwirken, sehr beeindruckt und vor allem viel Spass bereitet. Und nun werden wir mal schauen, ob man in Gomera Risotto-Reis und vernünftigen Wein (nicht im Tetrapak, den hatten wir gestern) für ein taugliches Abendessen findet.

Details des längeren Kurztripps: Während 7h33min von Teneriffa (Marina San Miguel) nach La Gomera (Cristobal, Kultur inklusive!). 77.4km, Höchstgeschwindigkeit 10.6 kn/h, Durschnitt 10 km/h, 745 Höhenmeter.

„Und es war praktisch da hinten links, weil ich da nicht mal putzen musste“ (Anonym).

Tag 1c: Dinner for nine.

Da gemäss unserem Chefkoch unser normaler Reis an Bord nicht für ein Risotto taugt, und alle Läden bereits geschlossen waren, haben wir uns dazu durchgerungen, die Bedienung im wohl besten, und wenn nicht besten, dann sicher teuersten Restaurant der Insel auf ihre Schweizerdeutschkenntnisse zu überprüfen. Diese waren lausig, dafür waren das Essen, der Wein und die Aussicht vom Hügel umso besser. Wir rollten vollgegessen wieder zum Hafen hinunter, schliefen wie Steine, und frühmorgens konnten wir sogar noch ein ausgerissenes Handy zur Heimkehr überreden.Danke Ramon, der ehrlich Taxifahrer.

Tag 0: Die Geschichte des schmalen Trinkgelds

Was bisher geschah: Gesegelte Kilometer heute, eigentlich null. Ist wohl auch besser so. Diverse Basler mussten den Kulturschock des Auslandes (Zürich-Kloten) und übles Organisationstalent Seitens der Airline erst mit Einkäufen im Duty-Free-Shop verdrängen. Nach einem ruhigen, aber unterhaltsamen, für die Jüngeren recht dekorativen Flug haben wir nach selbstmörderischer Fahrt („Official Taxi“, bei den inoffical Taxis kommt nur die Hälfte der Passagiere an) den Hafen erreicht und dort 1h + 1h auf die Überhahme des Bootes gewartet (spanisches Zeitgefühl, die Zeitzonen sind unschuldig). Schliesslich doch soweit gelangt, bekamen wir eine Einweisung von unseren beiden Skippern über was zu tun ist, was zu lassen ist, und was ganz absolut sicher bei Strafe zu lassen ist. Nach diversen Witzen zu Seekrankheit wurde entschieden, dass heute lokale Delikatessen degustiert werden, wozu wir das erstbeste Restaurant neben dem Hafen wählten, weil da ja nix schiefgehen kann. Wir haben dann den ersten Deutschen gesehen, der seine Fleischplatte nicht leergegessen hat. Nicht mal zur Hälfte. Und so endet dieser Tag damit, dass wir zwecks Desinfektion die Delikatessen mit, hm, Antibiotika verdünnen.

Das Nagelstudio lässt auf sich warten, und „Wein ists auf jeden Fall nicht“ (letzteres Originalton Laurent).

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